Unter welchen Bedingungen ist E-Learning/Blended Learning attraktiv?

Welche Art von E-Learning- bzw. Blended Learning-Angebot ist für berufstätige, erwachsene Lerner/innen attraktiv? Folgende Dimensionen erscheinen mir zurzeit relevant:

  • Was kostet das Angebot? Gibt es ein gestuftes Angebotsmodell mit einer günstigen Einstiegsvariante und ein oder zwei - teletuoriell begleiteten - kostenintensiveren Alternativen?
  • Wieviel Zeit muss ein/e Lerner/in investieren und welche Wahlmöglichkeiten zwischen verschiedenen Zeitmodellen bestehen?
  • Wie umfangreich ist der Lernstoff? Gibt es eine Unterscheidung zwischen Pflicht und Kür?
  • Welche Voraussetzungen muss ein/e Lerner/in für die Teilnahme mitbringen?
  • Wann und wie erfährt die/der Lerner/in, dass das Thema des Kursangebots beherrscht wird und das Lernen zu dem jeweiligen Thema wirklich abgeschlossen ist? Gibt es verpflichtende oder freiwillige Prüfungen?
  • Gibt es eine/n Ansprechpartner/in/Turor/in, die/der jederzeit während des Kurses ansprechbar ist und den Kurs pädagogisch begleitet?
  • Wird alleine gerlernt oder gibt es eine Lerngruppe, in der alle Teilnehmenden etwa mit vergleichbarem Wissensstand und Erfahrungsschatz beginnen und zu der die/der Interessent/in gut passt?
  • Endet das Kursangebot mit der Vergabe eines Zertifikats? Welchen Stellenwert hat das Abschlusszertifikat in beruflichen Kontexten?

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6 Responses to “Unter welchen Bedingungen ist E-Learning/Blended Learning attraktiv?”

  1. Tim Schlotfeldt sagt:

    Moin,

    diese Dimensionen scheinen mehr sehr allgemein zu sein. Ich glaube zu erkennen, worauf du hinaus willst, aber zum Teil zu allgemeingültig formuliert. Welche Erfahrungen hast du denn mit Blended Learning bisher gemacht?

    -Tim

  2. Reinhard Völzke sagt:

    Hallo Tim,

    mir war wichtig, erst einmal die Dimensionen zu beschreiben, die möglicherweise entscheidend sind, wenn Kunden sich über Blended Learning-Angebote informieren. Da ging es mir um eine gewisse Generalisierbarkeit.

    Konkrete Erfahrungen mit E-Learning bzw. Blended Learning habe ich noch nicht viele. Ich habe an einem E-Learning-Angebot von akademie.de teilgenommen - und zurzeit absolviere ich eine Fortbildung zum Teletutor, die den Hintergrund meiner Reflexionen hier im Blog bildet.

    Mein Punkt ist: Aus pädagogisch-didaktischer Perspektive lassen sich wunderbare Blended Learning-Setting konzipieren, die die intensive Auseinanndersetzung miit dem Lernstoff gewährleisten, für die soziale Einbettung in eine Lerngruppe sorgen und teleturiell professionell begleitet werden. Mit den von mir benannten Dimensionen wollte ich auf zentrale Kundenerwartungen hinweisen. Denn: Was nützt ein wirklich anspruchsvolles - und auch aus meiner Sicht sinnvolles - Angebot, wenn es für die potentiellen Kundinnen bzw. Kunden zu teuer ist oder den Vorstellungen über zeitliche Flexibiliät nicht entspricht? Oder was nützt diese Offerte, wenn sie nicht mit einem Zertifikat endet, dass aus Kundensicht den der Fortbildung entsprechenden Wert symbolisiert?

    Mich würde deine Meinung zu diesem Aspekt interessieren …

    .reinhard

  3. Tim Schlotfeldt sagt:

    Moin Reinhard,

    ich sehe den großen Vorteil von Blended Learning, dass man sich das
    Basiswissen mittels multimedialer Lernprogramme aneignen kann und so
    in der Präsenzphase mehr Raum fürs Ausprobieren, Üben und fürs
    Feedback erhält. Der Trainer agiert in diesem Rahmen eher als Coach
    denn als klassischer “Lehrmeister”. Ich denke, das macht den Reiz von
    Blended Learning aus, dass über diesen Begriff endlich eine neue
    Didaktik in Deutschland eingesetzt werden kann.

    Dinge wie Kosten, Zertifizierung etc. sind meiner Meinung nach nur
    zweitrangig, da es sich um Eigenschaften handelt, die unabhängig von
    der Didaktik sind. Ein überteuertes Angebot ist einfach nur
    überteuert, egal ob es sich um Blended Learning, E-Learning oder
    Präsenztraining handelt ;)

  4. Reinhard Völzke sagt:

    Hallo Tim,

    ich stimme Dir im Wesentlichen zu. Onlinephasen eignen sich sehr gut dazu, sich Wissen anzueignen. Auf einer Lernplattform können z. B. passgenau auf den Inhalt des Bildunsangebots Materialien abgelegt sein, aus denen ich als Lerner/in das auswähle und durcharbeite, was mich am stärksten anspricht oder was ich unbedingt benötige. Und genau dieser Prozess muss begleitet sein, durch einen Telecoach oder eine Teletutorin, wie auch immer.

    Hier zeigt sich aber schon, dass die Erwartung, durch E-Learning bzw. Blended Learning würde Bildung auf Dauer billiger, sich oft nicht erfüllt bzw. nicht in dem Umfang, der erwünscht wurde. Die didaktische Einbettung des Angebots von Lernmaterial kostest Geld, wie auch die anderen von mir aufgeführten Aspekte. Und da meine ich, dass wenn ich unabhängig von den Kosten ein möglichst optimales didaktisches Design konstruiere, es sein kann, dass ich den Kurs nicht verkauft bekomme. Auch hier diktiert letztlich der wirtschaftliche Rahmen die Qualität des Angebots. Das Angebot muss dann gar nicht überteuert sein, für das, was es bietet. Nur eben zu teuer für die potentiellen Kundinnen bzw. Kunden.

    So ist meine Frage, wie ich unter Realisation der möglichst optimalen Kombination der Semimarrahmenbedingungen (teletutorielle Begleitung, Präsenz- und Onlinephasen, eine hochwertige - und das heißt leicht zu bedienende und interaktive - Lernplattform, professionell für virtuelles Lernen aufbereitetes Lernmaterial, ein adäquates Zertifikat usw.) letztlich einen Endpreis anbieten kann, der von meinen Kundinnen und Kunden bezahlt werden kann?

    Meine Überlegung: Genauso wie im herkömmlichen Seminarbetrieb werde ich Light-Versionen und Optimal-Versionen und irgendwas dazwischen anbieten müssen, um mein Angebot letztlich erfolgreich platzieren zu können.

    So sehe ich das jedenfalls zurzeit … :-)

  5. Tim Schlotfeldt sagt:

    Mmh, die Preisfrage. Vorweg: Blended Learning oder auch E-Learning ist per se keine Kostenersparnis. Wir reden hier ja schließlich auch von einem wechsel der Didaktik, d.h. es ist ein anderes Lernverhalten notwendig. Unternehmen — meine primäre Zielgruppe — tun sich hier sehr schwer, da es von Ihnen und den Mitarbeitern eine Änderung von Firmen- und Lernkultur abverlangt. So eine strukturelle Veränderung kostet viel Mühe und eben auch Geld, und damit gebe ich dir recht, dass E-Learning nicht gleichbedeutend mit Geld sparen ist. Vielmehr wird gesehen, dass die Qualität der Ausbildung steigt…

    Für Endkunden ist es natürlich sehr schwer einzusehen, warum sie sich auf das Abenteuer einer “anderen” als der althergebrachten Didaktik heranwagen sollen. Hier muss das Angebot eben mit seinen ganz eigenen Vorteilen punkten: Zum Beispiel den Erfahrungsaustausch innerhalb einer großen Gruppe, der anders nicht möglich wäre (z.B. da die Teilnehmer räumlich sehr weit auseinander liegen).

    Weiterbildungsangebote haben generell das Problem, dass sie nicht auf ein didaktisch sinnvolles Maß dimensioniert sind, sondern sich an durchsetzungsfähigen Preisen orientieren. D.h. auch wenn ein Seminaranbieter genau weiß, dass für ein fundiertes Training mindestens vier Präsenztage erforderlich wären, werden nur zwei Tage angeboten — der Markt hat sich da ordentlich kannibalisiert. Und daran müssen sich nun auch Blended Learning-Angebote messen…

    Anyway, Blended Learning wird seinen Weg finden. Hauptproblem ist m.E. (neben wirklich schlechten Angeboten) das erforderliche Mindestmaß an Medienaffinität — die allermeisten Menschen sind halt keine “Information Worker”, die aus Lust am Medium online lernen. E-Learning ist ein Werkzeug unter vielen, das einfach nur funktionieren und zu Zielgruppe passen muss.

    -Tim

  6. Reinhard Völzke sagt:

    hallo tim,

    genau, um die bessere Qualität von Seminaren und Kursen durch die phantastischen neuen Möglichkeiten von Computer und Internet geht es mir auch. Dazu noch die zeitliche und räumliche Flexibilität, die diese Medien möglich machen. Und die ungeheuren Chancen, die in kooperativen Arbeitsformen liegen, die uns Lernplattformen, Weglogs, Wikis und ePortfolios zur Verfügung stellen. Was die von Dir erwähnte Medienkompetenz bei den Lerner/innen voraussetzt, die - das beklage ich auch - allzuoft nicht oder nur ansatzweise vorhanden ist. Das ändert sich nach und nach und wird wohl in einige Jahren nur noch ein Randproblem sein.

    Was nicht heißt, dass dann alle Lust hätten, alleine am Schreibtisch - oder von mir aus im Café - zu lernen, ohne andere Menschen im Raum, deren Esprit und Motivation andere mitreißen oder aufregen oder berühren kann … Also, was anderes können wir tun, als Unternehmen (dein Job) und Bildungseinrichtungen/Verwaltungsinstanzen (mein Job) dabei zu begleiten, die Ressourcen der neuen Medien im Sinne ihrer Mitarbeiter/innen und Kund/inn/en zu nutzen?

    Da ist die Argumentation dann endlich auf der didaktischen und organisatorischen Ebene angekommen, wo sie auch hingehört. Die Richtung kann nur besseres Lernen sein, nicht kostengünstigeres.

    Ob die Botschaft ankommt?

    .reinhard

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