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Chatten ist eine anstrengende Sache

Nun habe ich bei meiner Teletutoren-Ausbildung u. a. einiges gelernt über das Chatten im Kontext von Blended Learning-Seminaren. Nachdem ich an einigen Chats zur Koordination eines kleinen E-Learning-Projekts teilgenommen habe, bin ich etwas ernüchtert, was die Möglichkeiten dieser doch so hoch gepriesenen “zeitgemäßen” Form der Kommunikation angeht. Oder liegt das mehr an mir und meinen Interaktionsgewohnheiten?

Eins nach dem anderen. Das Medium Chat verführt zum Plaudern - dafür wird es ja auch am Häufgsten genutzt! In Lehr-/Lernsituationen oder zur Entwicklung eines Konzepts im Team wirkt sich diese diesem Medium offenbar inhärente Dynmaik nach meiner bisherigen Erfahrung ziemlich hemmend auf eine effiziente Auseinandersetzung mit dem eigentlichen Gegenstand des virtuellen Treffens aus. Es ist wirklich verführerisch “vom Thema abzukommen” und rumzuscherzen - wie man das ja auch in alltäglichen Kommunikationssituationen macht. Nur, dort wirkt sich das in der Regel nicht so zeitraubend und irritierend auf das gesamte Geschehen in der Gruppe aus. Von Ausnahmen mal abgesehen, natürlich! Beim Chatten enwickeln sich dagegen ganz schnell parallele Gesprächsverläufe, wo teilweise “ältere” Sequenzen erneut aufgegriffen oder eigentlich - aus meiner Sicht - nebensächliche Aspekte in den Mittelpunkt gerückt werden. Und ich werde öfter falsch verstanden, als ich das von face-to-face Kommunikation gewohnt bin. Wenn ich nicht aufpasse wie ein Luchs, läuft die Sache ganz woanders hin, als ich dachte. (Klingt jetzt sehr kontrollierend, ist aber nicht so gemeint …)

Bei e-teaching.org finde ich kurz zusammengefasst, was ich selbst erlebt habe. Da heißt es ganz richtig:

Aus den genannten Merkmalen des Chat ergeben sich spezifische Kommunikationsprobleme:

  • Mangelhafte Koordination von auf einander bezogenen Gesprächsbeiträge,
  • Verschränkung, Fragmentierung und Überschneidung von Äußerungen und wechselseitigen Bezugnahmen im Chat-Display,
  • gegenseitige Störung mehrerer paralleler Gesprächsstränge.

Hinzu kommt, dass die Beiträge im Chat unter Zeitdruck verfasst werden.

Genau, da kommt schnell Hektik auf, vor allem dann, wenn ich meine eigenen Ideen in den Vordergrund bringen will, mich missverstanden fühle oder andere ihr Interesse an Meinungsführerschaft ebenso vehement durchsetzten wollen. Sehr konstruktiv finde ich an dem gerade zitierten Beitrag, dass praktische Tipps für die effiziente chatbasierte Nachbildung von Lehrszenarien gegeben werden. Als hilfreich wird die Auseinandersetzung mit folgenden Fragestellungen empfohlen:

  • Welche traditionelle Veranstaltung wird ersetzt oder ergänzt?
  • Welche Inhalte sollen behandelt werden?
  • An welche Zielgruppe richtet sich das Kommunikationsangebot?
  • Welches Chat-Werkzeug ist geeignet, vorhanden oder bereits im Einsatz?

Zwar sehr textlastig, aber um so informativer und praxisgesättigter ist diese Handreichung des Seminars für Sprachwissenschaften der Universität Tübingen über synchrone, computervermittelte Kommunikation (cvK) in virtuellen Seminaren; eine Fülle von detaillierten Anregungen zum Chatten in Lernkontexten.

Ich werde mir also vor meinem nächsten Chat bewusst machen, wie das Ganze jetzt in einer herkömmlichen Präsenzsituation ablaufen würde und welche strukturierenden Aktivitäten möglicherweise sinnvoll sind, um das Chatten effizienter und angenehmer zu gestalten. Claudia Bremer schreibt: “Chats sind nicht jedermanns Sache”. Das spricht mir aus dem Herzen. Ich bin noch nicht entschieden. Aber anstrengend finde ich diese Medium in jedem Fall. Ob das in Videokonferenzen anders aussieht? Oder wenn in Begleitung einer Mindmapping-Onlinesitzung gechattet wird?

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8 Responses to “Chatten ist eine anstrengende Sache”

  1. Claudia Bremer sagt:

    Lieber Reinhard,

    danke fürs Zitieren, aber ich finde Chats haben das unglaublich grosse Potential, Gruppen in (informellen) Zusammenhängen zusammenzuhalten, besonders in längeren online Phasen des Blended Learnings und dort eine - gerade - informelle Kommunikation zu ermöglichen, die eben genau dies tut: die Gruppe zusammenhalten, sich erleben lassen, Spass haben usw. und genau dies wird in längeren online Phasen so wichtig. Finde ich. Ich bin gespannt, was du nach heute abend denkst/schreibst. Zeit für Kaffee? ;-) )

    Claudia

    Im Ernst: in amerikanischen Untersuchungen zu online Lernformen in Fernausbildungsangeboten wurde die Bedeutung des informellen für die Motivation der teilnehmen so deutlich: sich spüren, schnell reagieren, als Mensch auftreten, informelles preisgeben, Spass haben - genau das ist so wichtig für die motivationalen Aspekte in diesen längeren online Phasen!

  2. Reinhard Völzke sagt:

    Liebe Claudia,

    ok, du hast sicher recht: Chats können als Nachbildung informeller Kommunikation fungieren. Völlig einverstanden! Die Erfahrung mache ich mit jedem Chat im Rahmen der Teletutoren-Ausbildung. Alle Teilnehmenden bleiben in Kontakt unteinander, wir lernen uns immer noch ein bisschen mehr kennen und werden irgendwie vertrauter. Das merke ich auch an meinem eigenen Verhalten, weil ich mehr rumscherze, einen Sport daraus mache, (vermeintlich) lustige Einwürfe zu machen oder entsprechend auf Bemerkungen anderer zu reagieren. Bei einigen anderen Teilnehmer/innen beobachte ich ein ähnliches Verhalten. Zu Beginn, als wir uns noch nicht so gut kannten, war das chatten steifer, einzelne Beiträge konnten das “Klima” im Chat eher “belasten”, als jetzt im Verlauf der fünf, sechs Chats, die wir hatten. Unbestritten kann Chatten also positiv auf dass emotionale Klima einer Lerngruppe wirken.

    Meine Erfahrungen mit dem thematischen Arbeiten im Chat sind aber nach wie vor ernüchternd. Wenn da wirklich was Produktives rauskommen soll, müssen sich alle Beteiligten intensiv vorbereiten, sehr diszipliniert bei der Sache bleiben … Und wenn ich dann ein ganz bestimmtes Interesse verfolge, also womöglich schon ein ziemlich detailliertes Konzept hinsichtlich des behandelten Themas oder Projektes im Kopf habe, dann ist es bedeutend mühsamer, meine konkreten Vorstellungen im Chat angemessen rüber zu bringen, als in der face-to-face Kommunikation. Das ist jedenfalls mein Resumée. Thematische Arbeit ja, aber dann nur in einer noch relativ frühen Entwicklungsphase eines Projekts oder so. Sonst wird’s Stress.

    Aber vielleicht gibt es ja auch in dieser Hinsicht positivere Erfahrungen bzw. Bedingungen, unter denen Chatten auch hierfür nützlich ist?

    .reinhard

  3. Claudia Bremer sagt:

    Ja, Reinhard,

    da hast Du sicher in einigem Recht. Ich habe allerdings auch sehr sehr positive Chaterfahrungen zur rein thematischen Arbeit in REINEN online Szenarien gemacht, in denen sich die Teilnehmenden NIEMALS trafen, auch am Ende der Ausbildung nicht, also nie. Da der Chat dann das einzige schnelle Medium für Debatten war, haben sich alle sehr an die Regeln gehalten und es lief super. Noch eine Chataspekt: wenn die TN in Blended Learning Szenarien sich erst gegen Ende einer Ausbildung kennenlernen, so ist die Atmosphäre im ersten Treffen viel entspannter und ungezungener und sie gegeh leichtter miteinander um, wenn sie vorher hin und wieder mal gechattet haben, sie kennen sich quasi schon virtuell. Mein Fazit: es hängt von den Einsatzszenarien und konkreten Zielen ab, für die der Chat eingesetzt wird. Thematisch Arbeit ist aber durchaus möglich! Es hängt von der Moderation und Lernkultur der Teilnehmenden ab, wenn sie den Chat als notwendiges Kommunikaitonsmittel anerkennen, fangen sie an, die Regeln einzuhalten, selbst darauf zu achten, dass andere die Regeln einhalten und sogar eigene zu entwicklen. Ich kann dir ein paar Chatbeispiele dieser Art schicken, ich hab noch alte Chatprotokolle dazu im Netz.

    Lieben Gruss, Claudia

  4. Reinhard Völzke sagt:

    Claudia, ich sehs ein. Wahrscheinlich ist das Entscheidende, dass sich ne Gruppe an die vorher verabredeten - oder während eines Chats entwickelten - Regeln hält, dann kanns ne fruchbare Sache werden auch bei der konzeptionell-thematischen Arbeit im Chat. Wenn dann noch das Ziel klar ist und eine geübte mit allen Wassern gewaschene Moderation an Bord ist, dann kann nichts mehr schief gehen. Was wahrscheinlich nicht bedeutet, das Chatten nicht doch anstrengend werden kann. aber das sind herkömmliche sitzungen im real life ja auch hin und wieder!

    Deine Beispiele interessieren mich sehr. Du kannst ja auch die Links hier reinstellen, dann haben andere auch noch was davon, die sich dafür interessieren.

    .reinhard

  5. Annette Buschmann sagt:

    Claudia und Reinhard,

    spannende Diskussion! Als ein Beispiel von sehr positiven und konstruktiven Chats kann ich von unseren Chattreffen in der Kleingruppe berichten. Ca. 1 x pro Woche haben wir uns in der Online-Phase 2 im Chatraum getroffen, den aktuellen Stand unserer Vorbereitung, die Zusammenführung der Arbeitsanteile und die kommenden Aufgaben besprochen. Ohne es verabredet zu haben, lief es immer so ab, dass zuerst so ein bisschen Persönliches “bequatscht” wurde, und dann eine sehr konstruktive Diskussion ablief, in der wir alle anstehenden Punkte abgearbeitet und geklärt haben.

    Mein Resümee: für die Gruppenarbeit ist ein Chat ein gut geeignetes Medium.

    Annette

  6. Reinhard Völzke sagt:

    Hallo Annette,

    du machst mir Mut. Ich überlege schon die ganze Zeit, mit welchen Leute ich in nächster Zeit mal über einen Inhalt oder ein Projekt chatten könnte, um zu sehen, ob ich Chatten nicht doch noch schätzen lerne.

    Vielen Dank für deine Erfahrungen. Reinhard

  7. Coach Ausbildung sagt:

    schade, nichts mehr los hier im Blog?

  8. Nuppel sagt:

    Also Chats haben ganz klar Vor und Nachteile wie alles im Leben.
    Der Vorteil liegt bei den sogenannten Instant Messengern an der Geschwindigkeit man kann schnell in Echtzeit Nachrichten austauschen!
    Bei Webchats liegt der Vorteil das man mit mehreren Chattern gleichzeitig
    in öffentlichen Räumen schreiben kann.

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