Vom Nutzen, Weblogs zu lesen
Wieder lerne ich einges dazu, wenn ich “meine” Feeds durchgehe und den einen oder anderen Eintrag lese (ich nutze übrigens dafür zurzeit die personalisierte Google-Startseite, bin aber nicht sicher, ob ich demnächst zu einem Dienst wie Bloglines o. ä. wechseln sollte).
Ein Beispiel: Der Beitrag “E-Learning Top Ten Readings 2005″ vom 20.12.2005 im Weiterbildungsbog beweist für mich erneut, welche wertvolle Informationsquelle Blogs mittlerweile sind, jedenfalls für mich. Jan Robes listet hier die für ihn relevanten Top-Texte zum E-Learning aus dem Jahre 2005 auf und bietet so einen kompakten Einblick in den Diskussionsstand. Natürlich ist die Aufstellung subjektiv, worauf der Autor auch ausdrücklich hinweist. Das macht das Ganze aber kein bisschen uninteressanter, wenn ich mir überlege, dass ja letztlich auch jede Zusammenfassung in einer wissenschaftlichen Publikation von bestimmten Vorannahmen und Erfahrungsständen ausgeht. Die vorliegende Liste ist vor allem auch deshalb reizvoll, weil sie sehr aktuell ist, nur unmittelbar zugängliche Ressourcen auführt und so eine Beteiligung an der Weiterentwicklung des Themas ermöglicht.
Ich gebe nur eine meiner Lesefrüchte hier wieder. Gabi Reinmann schreibt in ihrem äußerst lesenswerten Konzeptpapier vom März 2005 “Das Verschwinden der Bildung in der E-Learning-Diskussion”:
Ich behaupte einmal, dass im technischen und ökonomischen Bereich erst das Wissen und nun die Bildung eher eine Marketing-Strategie symbolisieren als Ausdruck eines Bemühens um Neupositionierung der Bildungsidee in unserer Gesellschaft zu sein. Fragen der Bildung aufzugreifen, das ist für mich kein Marketing-Trick, sondern das ist mir ein echtes Anliegen: Persönliche Erfahrungen aus der Gestaltung eines Bachelor- und Master-Studiengangs sowie unmittelbare Einblicke in den Aufbau einer privaten virtuellen Fachhochschule decken sich mit Informationen, die man aus verschiedenen Quellen zu diesem Thema immer wieder zu hören und zu lesen bekommt: Mit einem fast schon sklavisch anmutenden vorauseilenden Gehorsam werden Forderungen aus der globalen und regionalen Wirtschaft befolgt, die sich in Prinzipien wie Flexibilisierung, Modularisierung und Verkürzung von Studienzeiten niederschlagen. Es gibt gute Gründe für diese Forderung, aber ich frage mich: Sollten wir als Vertreter der Universität nicht hellhöriger und kritischer sein, wenn diese Prinzipien inzwischen zu den wichtigsten Evaluationskriterien von Akkreditierungsinstituten zählen? Dürfen Universitäten so etwas wie einen Bildungsanspruch ohne zu zögern zu den alten Akten legen? Was ist das für eine Nachhaltigkeit, die die Bildung des Einzelnen darauf reduziert, in einem knappen Zeitrahmen ein bestimmtes Soll an Leistungspunkten zu erfüllen?
Nun trifft man heute mit solchen Fragen auf wenig Gehör. Umso wichtiger erscheint es mir, die derzeitige E-Learning-Diskussion, die sehr wohl auf Gehör stößt, auch dazu zu nutzen, den universitären Anspruch wieder geltend zu machen und ein Ringen um Bildungschancen wach zu halten. Mir geht es hier nicht darum, alte Debatten um den Bildungsbegriff oder die Kluft zwischen empirisch arbeitenden Lernforschern und geisteswissenschaftlich tätigen Pädagogen zu reaktivieren. Mein Postulat nach mehr Bildung in der E-Learning-Diskussion zielt auf die vernachlässigte Verantwortung der Lehrenden und deren wichtige Rolle, die sie bei der Gestaltung und Durch-führung von E-Learning-Angeboten haben. Meine Hoffnung geht dahin, dass die E-Learning-Forschung und -Praxis zum trojanischen Pferd für die Implementierung nicht nur qualitativ guter und – im Vergleich zum heutigen Standard – besserer Lehr-angebote führen, sondern auch für eine verstärkte Reflexion ganzer Curricula und dahinter stehender Ziele, Werte und Normen sorgen könnten. Fraglich für mich ist, ob wir den Bildungsbegriff durch Anglizismen wie „E-Education“ dabei wirklich aufs Spiel setzen sollten. Sehen wir die E-Learning-Diskussion als trojanisches Pferd, so mag es schlau sein, von „Bildungstechnologien“ zu sprechen. Doch auch hier müssen wir aufpassen, dass dies dem bisherigen Motto „Entscheidungen folgen der Technik“ nicht in die Hände spielt.
Ich zitiere diese längere Passage auch deshalb, weil sie mir aus dem Herzen spricht! Der Bildungsbegriff kann und darf nicht zur reinen Marketingstrategie werden. Das wird E-Learning nicht erfolgreicher machen - und dem Lernen überhaupt einen Bärendienst erweisen.
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