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Kompetenzentwicklung setzt Kompetenzen voraus

dessau_bauhaus_aquariumEs hat wirklich geklappt. Ich bin vor drei Tagen in Dessau gewesen und habe mich den ganzen Tag lang mit unterschiedlichen Aspekten von Kompetenzentwicklung und Kompetenzbilanzierung im Rahmen einer zeitgemäßen Bildungsberatung beschäftigt - und zwar auf der entsprechend betitelten Fachtagung der BMBF-Förderlinie „Lernende Regionen“. In einem wunderbaren Gebäude der Hochschule Anhalt, dem zum guten Teil aus Glas bestehenden „Aquarium“, welches zum Komplex des heutigen Bauhauses gehört, hatten sich insgesamt 220 Berater/innen aus den Lernenden Region und weitere Verantwortliche aus Aus- und Weiterbildung aus dem gesamten Bundesgebiet versammelt. Hier gebe ich einige meiner Eindrücke wider.

Peter Klandt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, seines Zeichens Miterfinder der Lernenden Regionen, hob die Notwendigkeit einer Anerkennungskultur in Deutschland hervor. Begabungen und Kompetenzen müssten mehr als bisher gefördert und gesellschaftlich anerkannt werden. Er forderte eine mehr fließende Gestaltung von Übergängen in der Bildungsbiographie unter dem Motto: Abschlüsse müssen zu Anschlüssen werden. Zur Realisierung dieses Zieles sei Bildungsberatung zentral. Die Erfahrungen der Lernenden Regionen würden belegen, dass regionale Netzwerke diese Aufgabe am besten bewältigen könnten.

In seinem Statement zur Unesco-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwickung“ unterstrich Dr. Joachim Borner vom in Dessau ansässigen Kolleg für Management und Gestaltung nachhaltiger Entwicklung gGmbH diese Forderung. Bildung müsse Menschen die Gelegenheit geben, mehr Möglichkeiten in ihrem Leben zu entdecken oder - modern ausgedrückt - Gestaltungskompetenz zu entwickeln. Dazu sei eine ganz bestimmte Form von Wissen unentbehrlich, die er als „heuristisch“ bezeichnete. Es lohnt, den Beitrag noch einmal anzuhören.

dessau_garagenhofSophie Frieß von der Lernenden Region „Leipzig lernt“ erläuterte die Einsichten, die in den letzten Jahren in Leipzig mit Agenturen für Information, Beratung und Tätigkeit, den iPunkten, gewonnen wurden. Das A und O einer erfolgreichen Bildungsberatung seien kompetente Bildungsberater/innen, die über einen längeren Zeitraum kontinuierlich tätig sein könnten, im Lebensumfeld des Klientels verankert seien, Bildungsbedarfe identifizieren und in eine vermittelnde Tätigkeit zwischen Weiterbildungsanbietern und Interessierten eintreten könnten. Hieraus könnten dann auch Finanzierungsmodelle abgeleitet werden, mit denen Anteile der Bildungsberatung finanziert werden könnten. All dies sei im Rahmen einer Projektförderung nicht dauerhaft zu verankern. Sie forderte daher, wie viele andere Referent/inn/en auch, eine solide Basisfinanzierung, um Kontinuität und Neutralität der Beratungsangebote zu gewährleisten.

Ein weiterer anregender Beitrag kam von Prof. Dr. Dieter Kirchhöfer von der Arbeitgemeinschaft Betriebliche Weiterbildungsforschung in Berlin - hier kann er noch mal nachgehört werden. Er betonte den Stellenwert der Tätigkeit für die Kompetenzaneignung. Der Fokus sei auf die Förderung von Selbstorganisationskompetenz zu legen, die er aber nicht nur auf Individuen beziehe, sondern gleichermaßen auf Institutionen. Erstaunlicherweise sprach er dann von der Gefahr der Kompetenzeuphorie und formulierte einige Einwände gegen eine überbordende Verwendung des Kompetenzbegriffs. Es hätte sich als überaus schwierig herausgestellt, Standards für Kompetenzen zu definieren. Daher sei ein stiller Übergang des Kompetenzverständnisses hin zur Performanz zu beobachten. Auch wenn vielfach eine Entwicklung vom Wissen zur Kompetenz konstatiert würde, sei Basiswissen nach wie vor unentbehrlich. Abrufbereites und erfahrungsbezogenes Vorratswissen sei eine unverzichtbare Säule von Kompetenzentwicklung. Auch sei Selbstorganisation eine zutreffende Charakterisierung für die neue Lernkultur, sie bedarf aber lernförderlicher Organisationsformen – und in diesem Kontext hätte eine lernförderliche Lehre oder auch Belehrung durchaus nicht an Bedeutung verloren. Und: Kompetenzentwicklung setze bestimmte Kompetenzen voraus. Es bestehe die Gefahr, dass sich soziale Unterschiede dadurch weiter vertieften, dass „lernhaftige Tätigkeiten“ nicht genügend gefördert würden; beispielsweise durch entsprechende Strukturen, zu denen Bildungsberatung einen wichtigen Teil beitragen könne.

Barbara Lux (Beratungs- und Qualifizierungsprojekt Leben und Arbeiten des DGB) schilderte anschaulich ihre Erfahrungen mit dem „Bildungschoaching“ von Lernungewohnten in Betrieben. Entscheidend sei es, die Freude am Arbeiten bei jeder einzelnen Person zu entdecken und so persönliche Handlungsspielräume zu erweitern. Bildungschoaching könne diesen Erkenntnisprozess unterstützen.

Leider war wenig Zeit für Nachfragen und Diskussion. Wie so oft, war das Programm zu eng gefüllt mit immer neuen Beiträgen – in dieser Einseitigkeit eher ein Ausdruck der „alten“ Lernkultur. Etwas mehr Luft für die inhaltliche Auseinandersetzung wäre gut gewesen. Dennoch hat sich die Fahrt ins schöne Dessau gelohnt:

  • In meiner eher vorsichtigen Verwendung des Kompetenzbegriffs bin ich eher bestätigt worden.
  • Genau hinzusehen, was mir Freude an meinen Tätigkeiten macht, lässt mich sofort Zusammenhänge herstellen zu meinem Plädoyer, neben die „Bilanzierung“ von Fähigkeiten mit gleicher Wertigkeit die eigenen Interessen, Wünsche und Werte zu stellen. Das sitzt die Energie für Motivation. Denn: Was mir Freunde macht, das mache ich gut und da bin ich auch bereit, mehr dafür zu Lernen und mich weiter zu entwickeln.
  • Und: Über die „Lernhaftigkeit“ meiner eigenen Tätigkeiten werde ich jetzt genauer nachdenken.

Die Dokumentation der Fachtagung wird innerhalb der nächsten Wochen auf der zentralen Plattform der Lernenden Regionen zur Verfügung gestellt: www.lernende-regionen.info.

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7 Responses to “Kompetenzentwicklung setzt Kompetenzen voraus”

  1. Ulf Collasch sagt:

    Die Vorträge, Workshops und vielen Gespräche am Rand haben fast jeden zufrieden nach Hause fahren lassen. In die Themen fanden sich die Teilnehmer wieder. Bleibt die Frage, ob dies noch auszubauen ist.

  2. Ulf Collasch sagt:

    und noch ein Zustimmung aus Chemnitz:

    Guten Tag, lieber Ulf Collasch!
    Nach dem einige Stunden vergangen sind, jedoch die Erlebnisse während der Tagung immer noch tau frisch sind, an Sie und Ihr Team ein ganz herzliches Dankeschön. Solche Erfahrungen schärfen den Blick in die Zukunft, die ich jetzt klar als Bildungsberater sehe. Ihr Wirken hat an dieser Entscheidung großen Anteil, da durch meine Teilnahme an der Tagung etwas Unbewusstes in mir ans Licht geholt wurde. Also nochmals herzlichen Dank an Sie ganz persönlich. Bitte reservieren Sie unbedingt einen Seminarplatz als Bildungsberater für mich, wenn in Dessau oder dem Osten Deutschlands die Ausbildung statt findet. Auch dafür meinen Dank. Die Arbeit an dem Konzept für ein LOS-Projekt mit dem Thema Bildungsberatung hat bereits begonnen. Für Ihre Arbeit und auch ganz persönlich wünsche ich Ihnen alles Gute und freue mich schon jetzt auf unser nächstes Treffen. Herzlichst und mit sonnigen Grüßen aus dem Chemnitzer Hutholz, Dietmar Langer

  3. Reinhard Völzke sagt:

    Hallo Herr Collasch,

    vielen Dank für die Stimmen, die Sie hier weitergeben. Eines ist klar: Sie haben mit Ihrer Tagung einen Nerv getroffen. Sie wird einiges in Bewegung gebracht haben, kein Zweifel. Und das ist schon sehr viel wert. Meine Kritik der Tagungsdidaktik ist da eher ein Ausdruck meines Wunsches, so etwas dialogischer auch im Plenum zu gestalten. Inhaltlich habe ich ne Menge nach Hause mitgenommen.

    Ein ganz besonderes Lob noch einmal, dass sie so schnell und professionell eine Tagungsdokumentation auf die Beine gestellt haben; und die Hauptreferate gibts sogar als Hörbeiträge. Respekt! Zum Anhören, hier klicken.

    Viele Grüße
    Reinhard Völzke

  4. Susanne Kitlinski sagt:

    Lieber Herr Collasch, liebe Mitstreiter,

    vielen dank für diese wunderbare Tagung. Sie war fast perfekt und die folgenden Punkte sollen auch nur als Anregung verstanden werden.

    Gewünscht hätte ich mir:

    - mehr Dialoge im Plenum

    - größere Bandbreite an Multiplikatoren (z. B. auch aus der Wirtschaft)

    - Networking als eigenen Tagungspunkt

    Als Ergebnis würde ich mich aktiver in dem Arbeitskreis Lernende Regionen Dessau-Wittenberg einklinken.

    Mit den besten Grüßen aus Wittenberg

    Susanne Kitlinski

  5. Sandra Aßmann sagt:

    Setzt Selbstorganisation Selbstorganisationskompetenz voraus?

    Lieber Herr Völzke,
    anknüpfend an den schönen Satz von Prof. Kirchhöfer, den Sie als Überschrift für Ihren Artikel gewählt haben, frage ich mich gerade, inwieweit man eigentlich Selbstorganisation lernen kann, ohne schon über entsprechende Kompetenzen zu verfügen. Sprich: Kann ich durch fremd organisierte Lernsettings Selbstorganisation lernen (wenn ich sie nicht schon im familialen Kontext erworben habe, worauf Kirchhöfer ja auch Bezug nahm)? Wie müssten diese “lernförderlichen Organisationsformen” aussehen, damit ich es nicht nur schaffe, Verhalten zu reflektieren, sondern zum Gestalter der eigenen (Lern)Biographie zu werden? Denn wenn diese Umsetzung gelänge, könnten wir vielleicht ein altes, aber nicht minder aktuelles - und auch im Rahmen der Tagung immer wieder angesprochenes - Bildungsideal, nämlich das des mündigen (=selbstorganisierten?!) Bürgers erfüllen…

    Viele Grüße
    Sandra Aßmann

  6. Reinhard Völzke sagt:

    Hallo Frau Aßmann,

    Ihre Überlegungen erinnern mich an das neueste Heft der Zeitschrift “Weiterbildung”, das ich vor ein paar Tagen in den Händen hatte, Titel: Das Märchen von den gleichen Bildungschancen. Die Autor/inn/en setzen einen Kontrapunkt zur Konstruktivismusdebatte, die uns allzuoft vorgaukelt, wirklich jede/r könnte selbstorganisiert Lernen; es käme höchstens auf bestimmte Rahmenbedindungen an. (Hier ist das Editorial nachzulesen.) “Lernförderliche Organisationsformen”, wie Prof. Kirchhöfer das genannt hat, zu untersuchen und zu unterstützen ist sicher eine löbliche Sache, wer dabei aber die soziale und besonders auch familale Herkunft außer acht lässt, oder auch Milieu und Habiuts, braucht sich nicht zu wundern, wenn er mit Personen schlecht umgehen kann, für die Lernen durch schlechte Schulerfahrungen geprägt ist und so gar nichts Lustbetontes hat.

    Für mein Verständnis hat Herr Kirchhöfer daher ja auch die nach wie vor großes Bedeutung des Lehrens betont. Anleitende, Rahmen schaffende Settings sind meiner Meinung nach für “Lernungewohnte” gefragter denn je. Die Herausforderung liegt darin, diese demokratisch und subjektorientiert zu gestalten. Eine klassiches pädagogische Aufgabe, oder?

    Beste Grüße

    .reinhard völzke

  7. Internatsberatung | Michelle's Blog sagt:

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