Deutsches Jugendinstitut - Lernen: informell

aeroe_soby_wind_und_regen.jpgIm gerade veröffentlichten Zwölften Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung wird der Stellenwert des informellen Lernens im Kinder- und Jugendalter hervorgehoben. Um den „schillernden Begriff“ des Informellen zu erklären, bringt das an der Erarbeitung des Jugendberichts maßgeblich beteiligte Deutsche Jugendinstitut ein DJI Bulletin 73 Plus zu diesem Thema heraus (im Februar gab es schon ein DJI-Online-Thema des Monats “Informelle Bildung am Beispiel des freiwilligen Engagements“, das ebenfalls interessante Informationen enthält). In knappen Abschnitten werden die wesentlichen Wurzeln des Begriffs des informellen Lernens erläutert:

  • Die amerikanische Bildungsdebatte in den 1950er Jahren - ausgehend von John Dewey -, insbesondere innerhalb der Erwachsenenbildung.
  • Die UNESCO-Berichte zu Zukunft der Erziehung zu Beginn der 70er Jahre.
  • Die Einführung der Trias des formalen, nicht- bzw. non-formalen und informellen Lernens durch die EU-Kommission zu Beginn des neuen Jahrtausends.

aeroe_badehaus_abendsonne.jpgIn der deutschen Kinder- und Jugendhilfe wird der Vorschlag dieser Differenzierung des Lernbegriffs unmittelbar aufgegriffen. Im diesem Kontext kommendann vor allem andere Bildungsorte und Bildungszeiten in den Blick, wo zeitlich vor und nach der Schule, freiwillig, ungeplant und nicht-intendiert gelernt wird. Die Arbeitsgemeinschaft für Jugendhilfe fordert dann im Jahre 2003 konsequenter Weise die Bewertung und Anerkennung dieser Lernform durch Zertifikate.

In der aktuellen lernpsychologischen und neurobiologischen Debatte wird kritisch gegen den Begriff des „informellen Lernens“ eingewendet, dass Lernen als ein physiologischer Prozess zu verstehen sei und es daher unerheblich sei, in welcher Form gelernt würde. Formal oder informell seien die Kontexte, das Lernen selbst sei von Motivation, emotionaler Beteiligung und Anschlussfähigkeit an bereits Vorhandenes geprägt.

Im Zwölften Jugendbericht wird daher nicht das Lernen differenziert, sondern die Ort und Modalitäten des Lernens:

  • formale Bildung: Schule
  • non-formale Bildung: Kinder- und Jugendhilfe
  • informelle Bildung im Kindes- und Jugendalter: u. a. Familie, Gleichaltrigen-Gruppen, Vereine, kulturelle Angebote und Medien

Und abschließend ein Ausschnitt aus dem Fazit des Bulletin 73 Plus, das es aus meiner Sicht wirklich auf den Punkt bringt:

Entscheidend ist …, an welchen Orten, in welchen Situationen und Kontexten sowie bei welchen Gelegenheiten die Prozesse des Lernens und Erfahrens stattfinden.

Der „lernende Mensch“ kann … erst in Nachhinein festmachen, was er wo und wie gelernt hat. In der Bildungsbiographie eines Kindes, Jugendlichen oder Erwachsenen werden dann die Prozesse und Erträge des Lernens offenbar. Das Lernen an sich aber hat keinen Anfang, kann jederzeit und überall stattfinden und dauert ein Leben lang.

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