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Der demographische Wandel als Motor für Kompetenzentwicklung?

tako_titelAchterbahnfahren ist nichts für mich. Schon als Kind mochte ich das nicht. Aber dieser leichte Schwindel, der einen überkommt, wenn man ganz hinten in der Kabine eines ICE 3 sitzt, der gerade von Frankfurt am Main nach Köln rauscht? Wirklich ganz hinten, in der letzten Reihe, mit direktem Blick durch die Heckscheibe. Das ist wirklich eine einmalige Erfahrung! Zeitweise fahren wir also 320 km/h, während ich diesen Beitrag schreibe, in den vielen Tunneln ist’s wirklich ein bisschen wie in der Achterbahn …

Nun ist das nicht der einzige Grund, hier etwas über meinen Kurzbesuch in Frankfurt zu erzählen. Gestern habe ich am Fachbereich Erziehungswissenschaften der Wolfgang Goethe-Universität Gelegenheit gehabt, den TalentKompass NRW vorzustellen. Mein Dank geht an Prof. Dr. Dieter Nittel für die Einladung. Ich habe dazu eine Präsentation erarbeitet, die etwas gründlicher als bisher die theoretischen Hintergründe dieses neu entwickelten Instruments zur Erfassung und Entwicklung von Fähigkeiten und Interessen zu zeigen versucht. In der anschließenden Diskussion ging es vor allem um zwei Fragen:

  • Das in dem Instrument vorgeschlagene Vorgehen – Fähigkeiten und Interessen erfassen, Neukombinationen von Fähigkeiten und Interessen finden, Gespräche mit bereits in entsprechenden Tätigkeitsfeldern tätigen Personen führen – verlangt einiges an Engagement von den Nutzerinnen und Nutzern. Wie ist das mit Personen, die partout nicht bereit sind, über eine Veränderung ihrer beruflichen Tätigkeit nachzudenken, die vielmehr genau da bleiben wollen wo sie sind und alles soll so bleiben, wie es immer war? Wenn, dann erwarten sie von anderen, dass sie für notwendige Neuerungen sorgen.

In meinem Antwortversuch habe ich betont, dass Kompetenzentwicklung und Veränderungsbereitschaft wiederum bestimmte Kompetenzen voraussetzen und dass es natürlich nicht darum gehen könne, Erwachsene erziehen zu wollen. Wenn aber die Bereitschaft vorhanden ist, Zeit zu investieren und wirkliches Interesse daran bestehe, die eigene Situation zu verändern und dafür auch auf andere Menschen zuzugehen, mit ihnen über ihre Tätigkeit und ihre Erfahrungen zu sprechen, dann stellt der TalentKompass NRW eine interessante Möglichkeit zur Begleitung eines solchen Prozesses dar. Bei vielen Menschen wird eine solche Bereitschaft wahrscheinlich am ehesten in einer unmittelbaren Krisensituation wachsen; das zeigen auch Erfahrungen mit mir selbst. Erst wenn klar ist, dass es so nun wirklich nicht weitergehen kann, wie es bisher noch ganz gut ging, erst dann bin ich bereit, die Sache grundlegender anzusehen und dann auch etwas zu ändern. Wie ich dann vorgehen kann, wenn ich z. B. mein Tätigkeitsfeld wechseln oder auch nur den Schwerpunkt meiner Arbeit verlagern will, genau dabei will der TalentKompass NRW unterstützen. Das Gleiche gilt natürlich für Personen, die einen Weg ins Beschäftigungssystem suchen und noch keine Stelle haben.

  • Wie können Instrumente wie der TalentKompass zur Institutionalisierung lebensbegleitenden Lernens beitragen?

Eine Idee ist, die vorhandene Struktur mit Beratungsstellen beispielsweise an den unterschiedlichsten Einrichtungen der Berufsausbildung und Weiterbildung zu nutzen, das Personal dafür zu gewinnen und – wenn notwendig – für die professionelle Arbeit mit dem TalentKompass zu qualifizieren. Die Kunst wäre hier, den Kreis der mitwirkenden Institutionen Schritt für Schritt auf möglichst viele Institutionen auszuweiten, die an den Übergängen im Bildungs- und Erwerbssystem angeordnet sind. Hier stellt sich nach wie vor die größte Herausforderung, weil - trotz aller Plädoyers für mehr Durchlässigkeit und Zusammenwirken – die separatistischen Tendenzen in den einzelnen Einrichtungen oft noch überwiegen. Das hat viele absolut nachvollziehbare Gründe und lässt sich sicher von außen leichter einfordern, als von innen ändern. Klar wird in der Diskussion aber, dass durch den demographischen Wandel wahrscheinlich ein solcher Veränderungsdruck auch auf das Bildungssystem entstehen wird, dass es für viele Institutionen überlebensnotwendig werden könnte, sich einem organisierten Zusammenwirken zu öffnen. Sichtbar wird dies bereits an der Entwicklung von Kindergärten und Kindertagesstätten zu Familienzentren in Nordrhein-Westfalen und den gerade entstehenden Häusern des lebenslangen Lernens in Hessen (z. B. in Dreiech).

Präsentation: TalentKompass NRW als Instrument der Kompetenzentwicklung – Ein Beispiel für die Instrumentalisierung des lebensbegleitenden Lernens? Frankfurt am Main, 01.06.2006

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