Auf dem Weg zur dreifachen Selektivität? Auslese durch informelles Lernen
Auf der gerade zu Ende gegangenen Jahrestagung der Sektion Erwachsenenbildung der Dt. Gesellschaft für Erziehungswissenschaften an der Justig-Liebig-Universität Gießen habe ich Jun.-Prof. Dr. Anke Grotlüschen von der Universität Bremen getroffen. Warum ich das erzähle? Nun, sie ist die einzige Professorin für Erwachsenenbildung in Deutschland (die ich kenne) die blogt - und zwar seit genau einem Jahr! Wir haben uns kurz über unsere Blog-Erfahrungen ausgetauscht und einen lockeren Austausch verabredet. Hier der Link zu diesem weiteren Bildungsblog.
Um einen Einblick in die Arbeit der Kollegin zu bekommen, verlinkt der Blog direkt auf LernSite.net, wo sich u. a. Publikationen und Vorträge von Frau Grotlüschen finden. Nur auf eine Präsentation will ich ausdrücklich hinweisen, weil sie ein zentrales Thema meines Blogs betrifft: Auf dem Weg zur dreifachen Selektivität? Neue Varianten der Auslese durch informelles Lernen - Beitrag für die Hochschultage 2006.
Ausgehend von der Selektionsfunktion des deutschen Bildungssystems und dem sogenannten Matthäus-Prinzip “Wer in der Schule viel an Bildung teilhat, beteiligt sich auch intensiv im tertiären und quartären Sektor” (doppelte Selektivität) fragt sie, ob in dieser prekären Situation “informelles Lernen” das Selektionproblem löst? Sie schließt “digitales Lernen” in ihre Argumentation ein und kommt u. a. anhand von Zahlen des Berichtssystems Weiterbildung zu dem Ergebnis, dass E-Learning und informelles Lernen zu einer dreifachen Selektivität führen. Wer über keine gute Schulbildung und Ausbildung verfügt, sich nicht oder nur partiell an Weiterbildung beteiligt, lernt dann auch in geringerem Maße informell.
Dieses ernüchternde Ergebnis differenziert sie glücklicherweise anhand von zwei Fallgeschichten und konstatiert personalisierten Formen informellen Lernens einen Zugang zu dieser Lernform auch für ansonsten der Selektionsfunktion des Bildungssystems unterliegenden Personen. Zu den personalisierten Formen zählt sie vor allem Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen, Vorgesetzten und Freundinnen und Freunden. Ich werde nachhaken, was sie damit im Einzelnen meint.
Sicher keine tröstliche Erkenntnis, sondern eine zusätzliche Herausforderung, die integrativen Chancen des informellen Lernens viel stärker in den Blick zu nehmen. Wie das konkret im Kontext formaler, non-formaler und informeller Lernkontexte aussehen kann, stellt ganz neue Fragen an meine Beratungstätigkeit.
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