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Narrative Kompetenzentwicklung und pädagogisches Handeln

duene_leuchtturmGerade ist die Tagung “Das Leben entfalten - Biografisch lernen - Biografisch lehren” an der Universität Flensburg zu Ende gegangen. Es regnet in Flensburg, also stelle ich meinen Vortrag unmittelbar ins Netz. Einige Sätze zu meinen Eindrücken von der Tagung folgen in den nächsten Tagen. Nur soviel: Aus den Reaktionen nach dem Vortrag entnehme ich, dass ich mit meinen Ausführungen zum Nachdenken angeregt habe. Auf drei Aspekte wurde ich u. a. angesprochen:

  • Das alltägliche, kommunikative Handeln von Pädagoginnen und Pädagogen ist viel zu wenig im Fokus des professionellen Selbstverständnisses. Das fängt schon in der Ausbildung an, setzt sich in der Praxis fort und wird bislang nur in Ausnahmefällen in Fort- und Weiterbildung aufgegriffen. Das Zentrum für wissenschaftliche Weiterbildung an der Universität Flensburg will jetzt ein Fortbildungsangebot entwickeln, dass diesen Aspekt - gemeinsam mit anderen Basiskomponenten eines biographieorientierten Vorgehens - in den Mittelpunkt stellt. Bei der früher schon einmal von mir erwähnten Fortbildungsreihe zur “Pädagogischen Biographiearbeit” ist ein Modul zum biographischen Erzählen bereits integriert, was ich sehr begrüße.
  • Wie kann man verhindern, durch die von mir vorgeschlagene Zurückhaltung mit der Bewertung von Erzähltem der “Verhärtung von Selbstbildern” beim Erzählenden gerade noch Vorschub zu leisten? Möglicherweise indem durch erzählgenerierende Impulse - z. B.: Erzähl doch mal, wie das dann weiterging … - das Gegenüber über die Erzählschwelle gelockt wird und die unter oder hinter den generalisierenden Formulierungen liegenden Erlebnisse erzählt werden können. Narrative Gesprächsführung zielt immer auf die Handlungsebene. In der Rekonstruktion von früheren Erlebnissen ist die Bewertung und Einordnung dieser Erlebnisse unmittelbar eingeflochten. Und: Jemand kann durch das “Heruntersteigen” auf die narrative Ebene im Gespräch immer wieder neue Bewertungen ausprobieren. Durch diese “ereignisbasierte” Art der Selbstreflexion wird die Verflüssigung von Selbstbildern möglich.
  • Warum spreche ich von einer narrativen Kompetenz und entsprechend von Kompetenzentwickung? Soll durch professionell pädagogisches Handeln nicht wieder etwas hervorgebracht werden, was eigentlich bei jedem Menschen bereits vorhanden ist? Ich meine es so: Durch den gesellschaftlichen Sozialisationsprozess eignen wir uns schon in früher Kindheit die Folie für unterschiedliche Erzählmuster an. Wir lernen schon als Kind, ein Erlebnis so weiterzuerzählen, dass uns jemand wirklich zuhört, womöglich lacht oder in anderer Art reagiert. Wir lernen, an vormals Erzähltes erneut anzuknüpfen und neue Varianten einer schon einmal erzählten Geschichte zu entwickeln und auf ihre Wirkungen hin zu testen. So gehe ich absolut davon aus, dass alle Gesellschaftsmitglieder narrative Kompetenzen haben. Dies ist gerade die Basis des von mir hier vorgestellten Konzepts: Eben keine neue Fähigkeit - z. B. der selbstreflexiven Strukturierung oder Einordnung von Erlebtem - “vermitteln” zu wollen, sondern die vorhandene Erzählkompetenz zu nutzen und zu entwickeln. Das geschieht dann durch das Modellieren der vorhandenen Situationsdefinition hin zu Erzählzeiten und -räumen, da wo es situationsadäquat und nutzbringend für das pädagogische Setting ist.

In diesem Sinne kann das Konzept der biographisch-narrativen Gesprächsführung durchaus Impulse geben für den Umgang mit informellen Lernprozessen, Kompetenz- und Personalentwicklung in Betrieben, dem Auffinden eigener Interessen und Werte und der beruflichen Bildung und Weiterbildung ganz allgemein.

Reinhard Völzke: Angeleitete biographisch-narrative Kommunikation im pädagogischen Alltag (pdf, 1 MB)

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3 Responses to “Narrative Kompetenzentwicklung und pädagogisches Handeln”

  1. Strukturnetz Blog » Blog Archive » Mehr Biographieorientierung in Schule, Ausbildung und Weiterbildung? sagt:

    […] Strukturnetz Blog Lerngedanken zu Erwachsenenbildung, E-Learning, Didaktik, Kompetenzentwicklung … « Narrative Kompetenzentwicklung und pädagogisches Handeln […]

  2. Strukturnetz Blog » Blog Archive » Lernen durch Erzählen … sagt:

    […] Ein bisschen stolz bin ich schon. In der neuesten Ausgabe der Zeitschrift Training aktuell wird in der Rubrik “know-how” über den von mir mitentwickelten Ansatz der biographisch-narrativen Gesprächsführung berichtet. Der kurze Text geht auf ein Telefoninterview mit mir zurück, das eine Redakteurin dieses “Spezial-Informationsdienstes für die gesamte Weiterbildungsbranche” nach der Flensburger Biographietagung (vgl. meinen Bericht) im Oktober mit mir geführt hat. Besonders gut gefällt mir der Satz: das, was in den Seminarpausen erzählt wird, in die Trainings verlagern. […]

  3. Strukturnetz Blog » Blog Archive » Vielfältige Schreibaktivitäten - nur nicht im Blog sagt:

    […] Last but not least hatte ich die Aufgabe, eine Vortragspräsentation in einen Artikel für einen Tagungsband zu verwandeln. Hier hatte ich über das ein Ereignis mit nachhaltigen Wirkungen für mich berichtet. In diesem Text wende ich mich wieder meinem alten Lieblingsthema zu, dem biographischen Ansatz und den möglichen bzw. aus meiner Sicht notwendigen Folgen für pädagogisch-konzeptionelle Fragen und die Entwicklung moderner, pädagogischer Settings. Der Text wird unter dem Titel „Biographisch-narrative Gesprächsführung im pädagogischen Alltag – Kontexte, Interventionsregeln, Anwendungsformen“ in einem von Steffen Kirchhoff herausgegebenen Band im Sommer dieses Jahres erscheinen. Für den Vortrag hatte ich mir viele neue Abbildungen einfallen lassen, um meine Botschaften möglichst anschaulich zu vermitteln. Diese habe ich jetzt als Grundlage für die Formulierung der Abschnitte des Aufsatzes genommen. Eine ganz neue Erfahrung für mich. Aus der Erläuterung von Grafiken und Tabellen einen Text entwickeln. Nach meinem Eindruck, ist das Experiment gelungen. Ich werde weiter diese Art der Textproduktion weiter verfeinern. […]

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