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Stärken stärken mit Kompetenzreflektor und TalentKompass NRW?

tat_rheineWer einmal die Gelegenheit hat, durchs nördliche Münsterland zu kommen, der sollte sich unbedingt das mittelgroße Städtchen Rheine ansehen. Auf dem Marktplatz fühlt man sich ins Mittelalter zurückversetzt, so gut ist der Baubestand erhalten und saniert, mitten durch den Stadtkern fließt die Ems und gibt dem Ganzen etwas Entspannendes. Kloster/Schloß Bentlage und die Saline Gottesgabe sind nicht weit entfernt und einen Besuch wert.

Eine Stadtbesichtigung war aber nicht der Anlass meines 2tägigen Aufenthalts im Münsterland. Ich war vielmehr zu Gast im Transferzentrum für angepaßte Energien (Tat Rheine) und hatte dort die Aufgabe, auf dem Workshop “Kompetenzen entwickeln” des Equal-Projekts Alternativen im Betrieb den TalentKompass NRW zu präsentieren und zur Diskussion zu stellen. Es ging also wieder mal ums Thema Kompetenznachweis bzw. Kompetenzerfassung.

Nach meinem Eindruck haben die Teilnehmenden die hinter dem Verfahren zur Kompetenzerfassung und -entwicklung stehenden Überlegungen und meine Vorschläge zum Einsatz sehr positiv aufgenommen und wollen diese nun auf ihre jeweiligen Arbeitsfelder übertragen. Dazu gehören eine Transfergesellschaft, mehrere Equal-Projekte zur Kompetenzermittlung bei älteren Mitarbeiter/innen in kleinen und mittleren Betrieben, Betriebsratsarbeit, Berufsorientierung mit Jugendlichen und Karriereberatung für Beschäftigte in Veränderungsprozessen. Zum TalentKompass NRW habe ich hier schon mehrfach etwas geschrieben, darum muss ich das hier nicht wiederholen. Etwas ausführlicher will ich auf die Präsentation eines weiteren Verfahrens eingehen.

Kompetenzreflektor
Am zweiten Workshoptag haben Dr. Julia Gillen und Rita Linderkamp vom Projekt KomNetz das dort entstandene Verfahren des Kompetenzreflektors (pdf, 2,9 MB) vorgestellt. Mit diesem neuen Ansatz sollen Personen bei der Analyse ihrer Kompetenzen begleitet und in ihrer weiteren Komptetenzentwicklung unterstützt werden. Die Kolleginnen gehen davon aus, dass Kompetenzen nicht messbar, aber unter bestimmten Bedingungen gezielt entwickelbar sind. Dazu soll der Kompetenzreflektor dienen. Das Verfahren kann auf Einzelne und auf Gruppen bzw. Teams angewandt werden und wurde bisher mit einigen Gremien, Betriebs- und Personalräten, Auszubildenden und Beschäftigten im Arbeitsprozess ausprobiert. Einzelheiten zum Verfahren, den Phasen und zur notwendigen Begleitung finden sich in der oben verlinkten PDF-Datei.

Interessant finde ich, dass es sich beim Kompetenzreflektor von vorneherein um ein Workshopkonzept handelt. Es wird ein ganzes Spektrum von Lernformen vorgeschlagen, aus dem für den jeweiligen Zweck und die jeweilige Zielgruppe ein spezifisches Angebot zusammen gestellt wird. In der Diskussion über beide vorgestellten Verfahren drehten sich die Gedanken vor allem um die Frage, wie sinnvoll es ist, im Rahmen von Kompetenzerfassung und -entwicklung immer von „Stärken stärken“ zu sprechen. Wer von Stärken spricht, denkt immer gleich „Schwächen“ mit und begibt sich so in eine Dichotomie, die Tücken hat: Die Beobachtung zeigt, dass Personen mit einem starken Selbstbewusstsein eher gestärkt aus entsprechenden Seminaren gehen, Personen mit großen Unsicherheiten dagegen tendenziell enttäuscht oder irritiert nach Hause gehen. Das Konzept des TalentKompass NRW schlägt hier vor, die Erfassung von Kompetenzen weniger unter dem Gesichtspunkt „Was kann ich besonders gut? Was sind meine Stärken?“ sondern unter der Perspektive „Was mache ich besonders gerne? Wofür schlägt mein Herz?“ zu betreiben. Über diese Fragen war keine Einigkeit herzustellen. Das Resumee der Workshopteilnehmenden war jedenfalls, in Zukunft mehr auf die hintergründig mitlaufenden Konnotationen bei Kompetenzbilanzierung und -entwicklung zu achten, und damit hat der Workshop neben der Vermittlung ganz praktischer Dinge jedenfalls zur Reflexivität in diesem wichtigen Entwicklungsfeld beruflicher Bildung beigetragen.

In diesem Beitrag habe ich vor einiger Zeit schon einmal über Stärken und Schwächen nachgedacht. Aber sicher gibt es auch noch ganz andere Meinungen zu diesem - wie ich finde - sehr entscheidenden Aspekt …

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3 Responses to “Stärken stärken mit Kompetenzreflektor und TalentKompass NRW?”

  1. Julia Gillen sagt:

    Auch wir - als Konterpart im Workshop - haben die veranstaltung sehr genossen. das lag zum einen an einer sehr konstruktiven und interessierten Seminargruppe, zum anderen sicher an der angenehmen Atmosphäre im Technikzentrum.

    Zum kontroversen Diskussionpunkt, der oben angesprochen wird, ist Folgendes anzumerken: Auch mit der Herangehensweise, die der Talentkompass vorschlägt, wird meiner Meinung nach die Frage, ob Selbstbewußtsein gestärkt oder geschwächt wird nicht umgangen, nur weil die beiden Begriffe nicht auftauchen. Denn auch hier wird von der positiven Seite an die Fähigkeiten der Menschen herangegangen, auch wenn der Begriff der Stärken nicht auftaucht.

    Vielmehr könnte man gerade umgekehrt argumentieren, dass Menschen mit wenig Selbstbewußtsein eher auf ihre Stärken hingewiesen werden müssen und von ihnen ausgehen sollten und Menschen mit einem (zu) gesunden Selbstbewußtsein auch mal ihre Schwächen erkennen sollten. dazu sollten diese aber benannt werden. In jedem Fall muss die Situation und die Verfassung der Teilnehmer den Ausschlag geben, wie sehr Stärken und Schwächen tatsächlich getrennt benannt werden müssen.

  2. Reinhard Völzke sagt:

    Ja, ein pädagogisch sinnvoller Einsatz des TalentKompass NRW stärkt sicher das Selbstwertgefühl und Selbstbewußtsein vieler Anwender/innen. Davon gehe ich auch aus und da zeigt alle Erfahrung. Und viele Anwender/innen verwenden für sich selbst auch Formulierungen wie “Aha, das sind als meine Stärken” oder “Super, jetzt habe ich es schwarz auf weiß, wo meine Stärken und Schwächen liegen” oder “Diese Fähigkeit ist zuwenig ausgeprägt bei mir, da wollte ich schon länger was dran machen, die werde ich jetzt stärken” usw.

    Dagegen ist natürlich nichts einzuwenden. Meine Erfahrung zeigt nur, dass es oft sinnvoll sein kann, als professionelle Begleiter/in hier nicht einzustimmen, sondern die Perspektive etwas zu verschieben: “Schau doch mal, womit Du Dich gerne beschäftigst, was Dich in Bann zieht - es ist jetzt erstmal egal, ob Du gut kannst, was Du dabei machst. Es geht jetzt nur um das, worauf Du Dich gerne konzentrierst …” Ich habe immer wieder Personen erlebt, für die sich in diesem Augenblick neue Türen geöffnet haben, die wenigstens für Momente einmal ihre eingeprägte Selbstwahrnehmung aufgeben konnten und plötzlich ganz neue Seiten an sich wichtig genommen haben - auch und gerade hinsichtlich der Frage, was sie beruflich tun wollen oder wie sich bei ihrer Arbeit verändern könnten.

    Genau diese Tür will der TalentKompass aufstoßen. Und dazu habe ich jedenfalls bis jetzt die Rede von Stärken und Schwächen nicht gebraucht - lasse mich aber gerne überzeugen …

  3. Axel Hamann sagt:

    Man muss nicht immer alles kommentieren nur um sich selbst reden zu hören (oder zu lesen in dem Fall)

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