Reflexive Biografiearbeit, oder: Es gibt sie noch, die Pädagog/inn/en, die sich Zeit nehmen


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windmuehleBei der Vielfalt der Verständnisse von dem, was in so unterschiedlichen Praxisfeldern wie Altenpflege, Behindertenhilfe, Jugendarbeit und Erwachsenen-/Weiterbildung unter Biografiearbeit verstanden wird, erstaunt es schon, wie groß der begriffliche und konzeptionelle Konsens bei den Absolvent/inn/en der Fortbildung zur Pädagogischen bzw. Reflexiven Biografiearbeit ist. So heterogen die Arbeitskontexte der Teilnehmenden, so groß die Bereitschaft, sich diskursiv auf die Fragen des jeweiligen Gegenübers einzulassen und in der fachlichen Auseinandersetzung immer wieder zu einem Kern von gemeinsamen Wissensbeständen zurück zu kehren. Dazu gehört vor allem die Überzeugung, dass biographieorientiertes Arbeiten nicht in erster Linie auf die Erweiterung des Methodenrepertoires abzielt, sondern vielmehr eine immer wieder neue Reflexion des eigenen - zumeist pädagogischen - Selbstverständnisses bedingt.Konsequenterweise kreisten auf der Jahrestagung der Absolvent/inn/en der genannten Ausbildung in der wunderbaren Heimvolkshochschule in Bad Bederkesa nördlich von Bremerhaven an diesem Wochenende viele Fragen um eine professionell verantwortete Verankerung biographieorientierten Handelns in den eigenen beruflichen Alltag. Ein Ausweis von Qualität der von Prof. Dr. Bettina Dausien (z. Zt. Universität der Bundeswehr München), Helga Flörcken-Erdbrink (Ev. Bildungszentrum Bad Bederkesa) und Regina Meyer (Freie Altenarbeit Göttingen e. V.) verantworteten Fortbildung ist gerade die Zurückhaltung mit einer 1-zu1-Übertragung eines wie immer gearteten Repertoires von Methoden auf jedes x-beliebige Arbeitsfeld. Erarbeitet wurde ein Basisverständnis von dem, was Biografie bzw. Lebensgeschichte im Unterschied zum Lebenslauf ist und welche Bedeutung die “Aufschichtung biografischen Wissens” für das einzelne Gesellschaftsmitglied hat. In vielen Gesprächen konnte ich meine eigenen Überlegungen und Erfahrungen mit einer pädagogisch motivierten Entwicklung eines “biografischen Ohrs” und eines “narrativen Mundwerks” anbringen und als eine Form alltäglichen, biografieorientierten Handelns vertreten (hier hatte im Blog schon einmal etwas dazu geschrieben). Meine Hauptaufgabe auf der Tagung bestand aber darin, meine aktuellen Gedanken zu einer Kritik der Verfahren zur Bilanzierung von Kompetenzen zu präsentieren, wie ich sie gerade in einem Aufsatz mit dem Kollegen Dr. Rüdiger Preißer festgehalten habe (erscheint in Heft 1/2007 des report - Zeitschrift für Weiterbildungsforschung). Wir bringen hier etwas Licht in den Dschungel der bestimmt 90 Verfahren der Kompetenzbilanzierung für Erwachsene, die sich gegenwärtig auf dem deutschsprachigen Markt tummeln. Viele dieser Verfahren treten mit dem Anspruch auf, auf einem biografischen Ansatz zu basieren oder jedenfalls biografieorientiert vorzugehen. Oft wird dies nichtmal genauer expliziert, schon gar nicht konzeptionell eingelöst. Preißer und ich kommen zu dem Ergebnis, dass Biografieorientierung hier wirklich Not tut, wenn Erwachsenen verführt werden sollen, sich Teile der impliziten Bestände ihres biografischen Wissens bewusst zu machen; um daraus wiederum die Teile auszuwählen, die sie ihren beruflichen Veränderungsprozessen zur Verfügung stellen wollen.Das große Interesse und die engagierte Diskussion auf der Tagung haben mir erneut gezeigt, welches enorme Potenzial im Themenkreis Kompetenzbilanzierung, informell erworbene Kompetenzen und biografieorientierte Kompetenzberatung liegen. Das Wochenende im Norden Deutschlands hat mich bestärkt in meinem Engagement für das Prozesshafte des Erwachsenenlernens, das nur als persönlichkeitsorientiertes, entwicklungs- und damit biografiebasiertes Lernen den modernen Anforderungen des Lebens und Arbeitens stand halten kann. Einseitige Settings, die kurzfristig auf Wissensvermittlung und auf das Controlling von durch andere vermittelten Wissensbeständen setzen, werden auf Dauer nicht von Erfolg gekrönt sein. Vordergründige, ökonomische Zwänge ziehen die Instrumentalisierung des Lernens nach sich, was sich nicht zuletzt im Diktum des lebenslangen Lernens zeigt. Nachhaltiges Lernen wird unter den Bedingungen der gegenwärtigen Arbeits- und Lebenswirklichkeit nur möglich sein, wenn die notwendige Aneignung von Wissen wirklich als Ent-wicklungs-Geschehen begriffen und nicht zu einem funktionalen Vermittlungshandeln verkürzt wird.

Die Entwicklerinnen der o. g. Fortbildung stellen den Zusammenhang zwischen den gegenwärtigen Herausforderungen und den Möglichkeiten biographieorientierten Arbeitens folgendermaßen her:

Die widersprüchlichen Lebensbedingungen in modernen Gesellschaften haben die Freiräume für eine individuelle Lebensgestaltung erhöht, zugleich sind damit aber auch neue Zwänge verbunden. Die Individuen sind, mehr als noch vor wenigen Generationen, gefordert, ihr Leben - in mehr oder weniger eng gesteckten Grenzen - ’selbst in die Hand zu nehmen’. Sie sind gezwungen, haben aber auch die Möglichkeit, ihre Lebens- und Arbeitssituation zu gestalten, sich sozial zu vernetzen und über wechselnde Lebenssituationen hinweg ihre Identität individuell und kollektiv zu entwerfen und immer wieder neu zu überprüfen. In diesem Prozess entstehen Konstruktionen des Selbst, die im Zweifelsfall immer wieder neu zur Disposition stehen und “hergestellt” werden. Damit sind biographische Lern- und Bildungsprozesse verbunden, die - in wechselnden Lebenssituationen und sozialen Kontexten des Alltags - reflektiert und eigenverantwortlich re-konstruiert werden können. Die komplexe Leistung der Selbst-Konstruktion, die von Subjekten in unterschiedlichen sozialen Kontexten ihres Alltags erbracht wird, nennen wir biographische Arbeit.

Professionelles pädagogisches Handeln kann als Unterstützung dieser alltäglichen biographischen Arbeit begriffen werden. Sie findet in institutionalisierten Bildungsprozessen oder in individuell gestalteten Beratungs- und Begleitungssituationen statt, in denen ein erhöhter Reflexionsbedarf besteht. Eine professionelle Begleitung der biographischen Alltagsarbeit kann zum Beispiel dann sinnvoll sein, wenn eine biographische (Neu-)Orientierung erforderlich ist oder wenn die individuellen und sozialen Ressourcen aktuell nicht ausreichen, um einen biographischen Übergang zu bewältigen. Die methodisch-reflektierte Unterstützung der biographischen Arbeit von Lernenden und Ratsuchenden in einem professionellen Rahmen bezeichnen wir als pädagogische Biographiearbeit.

Die Fortbildung geht ursprünglich auf ein Projekt zurück, das zwischen 2002 und 2005 in Trägerschaft der Arbeitsgemeinschaft Betriebliche Weiterbildungsforschung e.V. in Berlin durchgeführt wurde.
Geschrieben im Zug zwischen Bremen und Essen.

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One Response to “Reflexive Biografiearbeit, oder: Es gibt sie noch, die Pädagog/inn/en, die sich Zeit nehmen”

  1. Coach Ausbildung sagt:

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    Ja, es gibt sie, die engagierten Pädagogen, Lehrer und Professoren, die sich Zeit für Refelektion nehmen….leider ist das nicht die Mehrheit!

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