BildungsWiki und/oder Wikipedia?

wiki_bildungslexikon Seit einigen Wochen gibt es auf dem Bildungsportal Deutscher Bildungsserver als neuen Service ein Lexikon mit Bildungsthemen, das auf der Wiki-Technologie beruht. Nutzerinnen und Nutzer des Deutschen Bildungsservers werden aufgefordert, mit ihrem Wissen die vorhandenen Artikel zu ergänzen und die Arbeit an neuen Beiträgen zu beginnen, wenn Themen fehlen.

Die Basis des neuen Wikis bilden 500 Artikel, die aus der freien Enzyklopädie Wikipedia entnommen und teilweise bereits von der Redaktion des BildungsWikis weiter bearbeitet wurden. Zum Hintergrund schreiben die Macher des BildungsWiki:

“Wo sind die Schwachstellen? Auf dem Gebiet der Geisteswissenschaften.”, so der Wikipedia-Begründer Jimmy Wales in einem Interview über die Online-Enzyklopädie.

Verbesserungen lassen sich bei der inhaltlichen Abdeckung geisteswissenschaftlicher Themen, der Qualität einzelner Artikel und der noch sehr zurückhaltenden Beteiligung professioneller Communities aus geisteswissenschaftlichen Disziplinen erzielen: hier setzt das BildungsWiki ein.

Das Wiki-Lexikon zum Bildungswesen startet mit einem Grundbestand von etwa 500 Artikeln, die auf Basis einschlägigen Fachvokabulars aus dem Artikelbestand von Wikipedia gefiltert und in das BildungsWiki importiert wurden (Wikipedia-Fork). Die Artikelkollektion soll mit redaktioneller Unterstützung des Deutschen Bildungsservers, aber vorrangig mit Unterstützung von Akteuren des Bildungswesens kontinuierlich verbessert, erweitert und mittels gemeinschaftlicher Verschlagwortung („Social Tagging“, „Folksonomy“) fachspezifisch erschlossen werden.

Diese Idee hat in der Community schon einige Zustimmung gefunden. Ich bin eher zwiespältig. Natürlich ist das eine gute Idee, sich den Artikeln mit Bildungsthemen speziell zuzuwenden, sie zu verbessern und zu ergänzen, so wie es die Wiki-Idee und -Technologie ermöglicht. Andererseits frage ich mich, ob es nicht besser wäre, genau dies innerhalb der Wikipedia zu organisieren. Wenn ich beispielsweise den Artikel zur Didaktik ergänzen möchte, wo werde ich das zukünftig tun? Im BildungsWiki? Dann aber ohne die Möglichkeit, direkt innerhalb der Wikipedia auf andere Artikel zu verlinken und natürlich auch ohne den Artikel selbst in der Wikipedia zu bearbeiten? Oder umgekehrt in der guten alten Wikipedia? - Vielleicht ist ja auch an das Rückspiegeln neuer Inhalte aus dem BildungsWiki in die Wikipedia gedacht?

Vielleicht verstehe ich ja die Idee des Social Tagging noch nicht richtig, die mit dem BildungsWiki verbunden wird. Jedenfalls überzeugt mich die an sich bestechende Idee des BildungsWiki noch nicht, weil hier dann an zwei Orten Inhalte parallel existieren, die eigentlich absolut identisch sein müssten. So jedenfalls kein überzeugendes Konzept für ein zeitgemäßes Wissensmanagement, oder?

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11 Responses to “BildungsWiki und/oder Wikipedia?”

  1. Stephan Rinke sagt:

    Hallo Herr Völzke,

    seit ich über den Feed des Bildungsservers auf den BildungsWiki hingewiesen wurde, habe ich sehr ähnliche Gedanken gehabt wie Sie. Warum nicht diese Artikel innerhalb von Wikipedia eingespeist und bearbeitet werden ist mir schleierhaft. Ich finde es jedenfalls praktischer, wenn ich alle Inofrmationen bei einer Quelle finde. Es wäre ja durchaus möglich gewesen, eine Aktion zur Erweiterung und Verbessrung der Artikel zu starten. Vielleicht hatte man einfach die Idee und wollte die “Ownership” nicht aus der Hand geben. Denn nur dann wird klar, wer sich (mit eigenem Corporate Design) für diese Erweiterung einsetzt…

    Liebe Grüße,

    Stephan Rinke

  2. Tobias Kowatsch sagt:

    Unter http://iNeedSomebody2tag.com findet sich ein Web-Experiment zu Social Tagging Systemen.

    Viele Grüße
    Tobias Kowatsch

  3. Axel Kühnlenz sagt:

    Liebe Diskutanten,

    den in Ihren Statements geäußerten Zwiespalt empfinden wir durchaus selbst. Die Frage, ob das Bildungslexikon besser innerhalb oder außerhalb der Wikipedia verortet werden sollte, haben wir unsererseits intensiv diskutiert. Die Entscheidung, eine - seitens Wikipedia als Option ja durchaus vorgesehene - “Fork” aufzusetzen, ging einher mit der heuristischen Annahme, dass die Nutzer/innen des Deutschen Bildungsservers bereits eine große thematisch kompetente Community bilden, der wir in Gestalt u. a. des “Bildungslexikons” interaktive Partizipationsmöglichkeiten unmittelbar auf der von ihr frequentierten Plattform und konzentriert auf das sie interessierende Thema Bildung eröffnen möchten. Wir verstehen die “Fork” in diesem Sinne durchaus als ein Experiment, das uns Aufschluss darüber bringen soll, ob es Bedarf und Akzeptanz für ein spezialisiertes Bildungs-Wiki gibt. Sollte dies nicht der Fall sein, hängen wir durchaus nicht an unserer “Ownership”. Die Nutzerzugriffe zeigen jedoch, dass es bisher ganz gut aussieht für unser Wiki-Projekt, und es sind bereits einige neue fachspezifische Artikel entstanden. Vermutlich wirkt ein themenspezifischer Kontext (ohne redundantes, enzyklopädisches Umfeld) und die Option, sich unmittelbar an die eigene Fachcommunity wenden zu können, durchaus motivierend - wir werden sehen.

    Herzliche Grüße
    Axel Kühnlenz
    (Geschäftsstelle Deutscher Bildungsserver)

  4. Aktuelle News Bildung und Beruf Bäcker - WARR-EX 1 Seite aktualisiert sagt:

    […] Irgendwie verstehe ich es einfach nicht und ich teile die Skepsis, die etwa hier geäussert wird. Das BildungsWiki verweist auf die Aussage eines Wikipedia-Gründers, dass in der bisherigen Wikipedia nicht genügend (gute) “geisteswissenschaftliche” Beiträge existieren. Warum sollten diese nun in dem Bildungswiki entstehen? Auch wird verwiesen auf einen teilweisen “rüden” Umgangston (?) von Wikipedia-Autoren und -Editoren, der im Bildungswiki vermieden wird. […]

  5. Reinhard Völzke sagt:

    Ganz interessant die aktuelle Diskussion zum Bildungswiki des Deutschen Bildungsservers hier im Blog von Michael Kerres, in der meine kritischen Nachfragen aufgenommen werden:

    http://mediendidaktik.uni-duisburg-essen.de/node/3961

  6. Axel Kühnlenz sagt:

    Letztlich wird die Praxis bzw. die Nutzung/Akzeptanz durch die User darüber entscheiden, ob ein eigenständiges Bildungs-Wiki daseinsberechtigt ist resp. einen realen Bedarf trifft. Dennoch finde auch ich die hier und in diversen anderen Blogs - u.a. dem von Herrn Völzke - stattfindende Diskussion wichtig und anregend. Noch einige Anmerkungen zu den Beweggründen und Überlegungen, die uns zur Ausgründung einer “separatistischen” Fork bewogen haben (übrigens nicht nur uns, im Bildungssektor gibt es bereits andere Wikis mit jeweils spezifischem Schwerpunkt und speziellen Adressaten, z.B. das Wiki der Zentrale für Unterrichtsmedien (ZUM): 1) zunächst - nach dem Motto: am Anfang war die Wikipedia - hatten wir mit direkten Zuarbeiten zur Enzyklopädie experimentiert und mussten leider die Erfahrung machen, dass umfangreiche, fachlich fundierte Beiträge von mühsam für eine Zuarbeit akquirierten Wissenschaftlern unwiederbringlich getilgt wurden (so z. B. eine fachkompetente Überarbeitung eines Artikels zu einem Forschungsprojekt, zu der wir die Projektkoordinatorin bewegen konnten - sehr schade! Diesen Beitrag hätten wir nun gerne im Bildungs-Wiki…); 2) These - sind Enzyklopädien zweifellos nutzbringend, ersetzen aber keine fachspezifischen Plattformen (ebenso wie google nicht die fachlichen Informations- und Suchdienste), deren Community sich um gemeinsame thematische Interessen gruppiert. In diesem Sinne halten wir es für berechtigt und “mehrwertig”, dass der Bildungsserver seinen Nutzern ein übersichtliches, ihre Themen fokussierendes Informations- und Kommunikationsforum bietet; 3) dies zugegebenermaßen auch ein Aspekt pro domo: der Bildungsserver war bislang (Portaltypus 1.0 sozusagen) mehr oder minder reines (Meta-)Informationsmedium, seine Nutzerschaft eine Community “an sich”. Die zahlreichen Nutzeranfragen, Stellungnahmen, kritischen Einlassungen etc. spielten sich außerhalb des Portals in Form von mails, Briefverkehr etc. ab und die Nutzer untereinander hatten keine Möglichkeit direkter Kontaktaufnahme. Dies soll sich im Zuge unserer “Bildungsserver 2.0″-Aktivitäten ändern, und wir wollen - die Wikis sind hier ein Anfang - eruieren, wie wir unseren Nutzern Möglichkeiten zur direkten Partizipation eröffnen können (als Community auch “für sich”) - das geht schlecht in den Weiten der Wikipedia; 4) auch das gehört zu unserem Projekt, ist beabsichtigt, zu gg. Zeit relevante Beiträge zu unserem Bildungs-Wiki in die Enzyklopädie zu retransferieren - wenn die Alma Mater aller Wikis (bzw. einige ihrer übereifrigen Wächter) Teile des Input dann nicht akzeptiert, finden sich die entsprechenden Artikel dann immerhin im Bildungs-Wiki :-)

  7. Weiterbildung sagt:

    Auf das Wiki vom Bildungsserver bin ich auch schon über Google gestoßen. Am Anfang empfand ich es als sehr skeptisch, da die Artikel auch auf Wikipedia zu finden sind. Aber auf der anderen Seite ist es vielleicht gar nicht so schlecht, mehrere Quellen zu einem Thema zu finden. Auch die Tatsache, dass es möglich ist, die Artikel auf dem BildungServer-Wiki zu bearbeiten entstehen in der Zukunft tatsächlich verschiedene Artikel zu den Themen, insofern es genutzt wird. Außerdem handelt es sich hierbei um eine Seite, die eine gewisse Autorität besitzt und nur Artikel, die Bildungsrelevant sind bereitstellt. Im großen und Ganzen finde ich die Initiative vom Vildungsserver gut.

  8. Reinhard Völzke sagt:

    hier meldet sich in einem interview mit e-teaching.org axel kühnlenz vom deutschen bildungsserver zur diskussion um die bildungswikis selbst zu wort:

    http://www.e-teaching.org/ (rechte spalte)

    interessant auch die hinweise auf zukünftige web 2.0-vorhaben beim deutschen bildungsserver.

    .reinhard völzke

  9. Aktuelle News Bildung und Beruf Bäcker - Disziplin: Einführung (2) sagt:

    […] Irgendwie verstehe ich es einfach nicht und ich teile die Skepsis, die etwa hier geäussert wird. Das BildungsWiki verweist auf die Aussage eines Wikipedia-Gründers, dass in der bisherigen Wikipedia nicht genügend (gute) “geisteswissenschaftliche” Beiträge existieren. Warum sollten diese nun in dem Bildungswiki entstehen? Auch wird verwiesen auf einen teilweisen “rüden” Umgangston (?) von Wikipedia-Autoren und -Editoren, der im Bildungswiki vermieden wird. […]

  10. Strukturnetz Blog » Blog Archive » Ja, wir brauchen gedruckte Lexika sagt:

    […] Wenn sich das Projekt bewährt und alle Qualitätsoffensiven von Seiten der Wissenschaft und intermediärer Organisationen für die Wikipedia fruchten (vgl. die Diskussion um das Bildungswiki auf dem Deutschen Bildungsserver z. B. hier im Strukturnetz Blog), dann könnten wir doch über eine entsprechende Initiative für das Lexikon der Erziehungswissenschaft nachdenken: Eine immer wieder durch Neuauflagen aktualisierte Buchfassung ergänzt durch eine Onlineversion, an der Studierende, Praktiker/innen und alle anderen Interessierten mitschreiben können. Und wo dann “überprüfte” Inhalte durchaus den Weg von der Online- in die Printversion finden können. Warum eigentlich nicht? […]

  11. ccna voice certification sagt:

    This really puts things in perspective. I’ve always tried to stick to Microsoft. I even tried Open Source options but still feel more comfortable in an MS environment. I’m currently employed as a developer working on MS Visual Studio.

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